Bau zweier Hochbahnsteige in Hannover erfordert lange Vollsperrung für die Stadtbahn

Die Stadtbahnlinie 10 der ÜSTRA wird vom 1. September 2028 an für mehr als zwei Jahre zwischen der Station Küchengarten und dem Endpunkt Ahlem stillgelegt. Grund ist der Bau zweier Hochbahnsteige in der Limmerstraße. Im Westen Hannovers fahren dann Busse als Ersatz für die Stadtbahn.

„So etwas kennen die Hannoveraner noch nicht“, sagt Martin Vey, Prokurist der für die Anlagen der Stadtbahn zuständigen Infrastrukturgesellschaft (infra) der Region Hannover. Die bisher längste Streckenstilllegung in den vergangenen Jahrzehnten betraf ebenfalls die Linie 10 während der Arbeiten für den Hochbahnsteig am Steintor im Sommer 2017. Sie dauerte 16 Wochen.

Vey hat die Pläne am 29. April im Stadtbezirksrat Linden-Limmer erstmals öffentlich vorgestellt. „Wir haben lange hin und her überlegt, ob es auch ohne Stilllegung für einen derart langen Zeitraum gehen könnte“, erklärt er. Ein eingleisiger Verkehr hätte aber seinen Angaben zufolge die Bauzeit deutlich verlängert; außerdem wäre man um temporäre Vollsperrungen trotzdem nicht umhingekommen.

Die infra will in der Limmerstraße die Mittelhochbahnsteige, an denen die Bahnen an beiden Seiten halten, an den Stationen Küchengarten und Leinaustraße bauen. Sie kosten jeweils rund 13 Millionen Euro und werden inklusive Rampen 75 Meter lang. Während die Pläne für diese Anlagen schon konkret sind, liegt für eine dritte an der Station Harenberger Straße eine kürzlich erstellte Machbarkeitsstudie vor. Dieser Hochbahnsteig soll möglichst ebenfalls während der Vollsperrung errichtet werden. Mit den drei Hochbahnsteigen wird die Linie 10 dann im kompletten Verlauf zwischen Raschplatz und Ahlem barrierefrei sein.

Um die Stadtteile Linden, Limmer und Ahlem auch während der Bauzeit angemessen mit dem Nahverkehr zu bedienen, sehen die Planer vor, die Linie 10 mit Stadtbahnen zwischen der Haltestelle Hauptbahnhof/ZOB und einer Ersatzhaltestelle im Bereich Küchengarten pendeln zu lassen, für die noch Detailplanungen laufen. In jedem Fall ändert sich nichts für Fahrgäste, deren Start und Ziel zwischen Küchengarten und Hauptbahnhof/ZOB liegt.

Darüber hinaus wird ein Ersatzverkehr mit Bussen konzipiert. Während der Vollsperrung der Stadtbahnstrecke wird die Linie 170 zur Wasserstadt durch die Fössestraße und den Kötnerholzweg umgeleitet und hält dort an Ersatzhaltestellen. Sie fährt dann mit den größeren Gelenkbussen mindestens im Zehn-Minuten-Takt und damit im Minimum dreimal so oft wie derzeit. Auch die SprintH-Linie 700 Richtung Seelze nimmt die Umleitungsstrecke.

Für den Verkehr zu den beiden Stadtbahnhaltestellen in Ahlem richten die Planer eine neue Stadtbuslinie mit der Nummer 110 ein. Sie fährt ebenfalls mindestens im Zehn-Minuten-Takt von der Station Glocksee als barrierefreiem Umsteigepunkt von und zur Stadtbahn aus zum Lindener Hafen und weiter über die Carlo-Schmidt-Allee zur Gedenkstätte und nach Ahlem. Dem Schülerverkehr zwischen Ahlem und dem Gymnasium Limmer wird zusätzlich durch ein geeignetes Angebot Rechnung getragen. Dessen konkrete Ausgestaltung geschieht in Absprache mit den Nahverkehrsunternehmen.

Von den vorbereitenden Arbeiten für das Projekt werden die Hannoveraner schon früher etwas bemerken. Enercity muss bereits im Jahr 2027 eine Haupttrinkwasserleitung vom Küchengarten durch die Fössestraße bis zum Kötnerholzweg verlegen. „Autos können dann weiter durch die Fössestraße fahren, aber die Parkplätze fallen weg“, erläutert Vey.

In der Limmerstraße selbst beginnen je nach Witterung Anfang 2028 vorbereitende Arbeiten, weil der barrierefreie Ausbau der Linie 10 dazu genutzt wird, gleichzeitig die Leitungen für Gas, Fernwärme, Trink-, Schmutz- und Regenwasser zu erneuern. Dies geschieht abschnittsweise in Form einer Wanderbaustelle.

Der Autoverkehr in der Limmerstraße ist von dem Projekt weniger betroffen, weil die Straße Fußgängerzone ist. Liefer- und Baustellenverkehr sowie Rettungsdienste müssen ohnehin bei Bedarf zum Ziel gelangen. „Auch Radfahrer und Fußgänger kommen durch; die Geschäfte werden immer erreichbar sein“, verspricht Vey.

„Wir werden die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren demnächst einreichen und wollen sie direkt nach den Sommerferien für vier Wochen öffentlich auslegen“, kündigt Vey an. Dies geschieht sowohl digital auf der Internetseite der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr als auch analog bei der Bauverwaltung der Stadt Hannover. Die Frist für Einwendungen endet zwei Wochen später. Vor der Sommerpause wird die infra das Großprojekt noch in weiteren politischen Gremien der Stadt und der Region Hannover präsentieren.

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